Gastkommentar von Eike Wenzel: Keine Angst vorm Kraichgau-Kapitalismus
Dienstag, 09. Dezember 2008Warum der Fußball auch jetzt wieder ein Trendsetter sein könnte. Ein Kommentar vom Trendforscher Eike Wenzel
„Ja, riiiichtig“ würde Beckenbauer-Double Matze Knopp jetzt wieder sagen und dabei – ganz wie der reale Kaiser – etwas Nachdenklich-Philosophisches in seine Stimme legen. Wir alle wissen, dass das beim realen Franz nur eine Illusion von Tiefsinn ist, eine kleine, aber wirkungsvolle Körpertäuschung, aber wir lieben unsere Lichtgestalt. Riiiichtig, wir leben in veränderungsschwangeren Zeiten, so viel Unsicherheit war noch nie. Eine ganze Wirtschaftsära implodiert vor unseren Augen. Unser postmodernes Weltbild, in dem der Markt es schon regeln wird, fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Wall Street liegt in Schutt und Asche.
Und auch im Fußball deuten sich die ersten Katastrophen an. Wer wird als erster Champion in die Knie gehen, Valencia, Newcastle oder vielleicht sogar ManU. Riiiichtig, die Branche ist so nervös wie selten. Theo Zwanziger lässt sich von einem bloggenden Journalisten foppen und demonstriert die ganze Arroganz des deutschen Verbandswesens. Der Journalist heißt Jens Weinreich und ist als leicht übermotivierter Investigativjournalist in Sachen Sportmafia und sportlicher Honoratiorenkriminalität bekannt und gefürchtet. Er hat Zwanziger als „unerträglichen Demagogen“ bezeichnet, als der DFB-Präsident den Kartellamtsbeschluss (keine weiteren Zugeständnisse an Fußball im Pay-TV) aus der arroganten Perspektive des allmächtigen Fußballfunktionärs kritisierte. Die Funktionäre werden unruhig, weil sie in der neuen Fußballwelt, die schüchtern an unsere Tür klopft, vielleicht nicht mehr vorkommen. (more…)