Der große Traum des U.H.: Fußball für ALLE

Die Krise ist im Millionengeschäft des Rasensports angekommen und Bayern-Manager Uli Hoeneß gibt im Interview mit der WirtschaftsWoche einige sehr fantasievolle Bemerkungen von sich. Sonst ja nicht unbedingt bekannt für mehr Staat im Profifußball, schlägt er u.a. vor, alle deutschen Haushalte mit einer 2-Euro-Zwangsabgabe zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga zur Kasse zu bitten. Damit uns öffentlich-rechtliche Sender mit Live-Fußball satt versorgen können. Grund genug, ebenso fantasievoll mit Gegenvorschlägen und Kommentaren aufzuwarten.

Rhetorik: Zwei Euro monatlich, das sei “nicht mal eine halbe Schachtel Zigaretten oder ein kleines Bier in der Kneipe”, so Hoeneß. So gewinnt man keine Freunde, Herr Hoeneß. Bier, Zigaretten und Fußball in einem Atemzug zu nennen, bedient die dumpfesten Klischees, die ein Mensch ohne Fußballbegeisterung vor sich her tragen kann (immerhin ein paar Millionen deutsche Haushalte). Besser wäre gewesen: Zwei Euro, so viel kostet noch nicht einmal eine Bionade. Und dabei hatte der FC Bayern die Gleichung “Fußball = Bier = alkoholisierter Mob = Testosteron-Prekariat” höchst selbst aufgehoben. Nach dem letzten Pokalfinale nämlich, als Ribery, Toni & Co. sich mit Schampus anstatt Paulaner geduscht hatten.

Sport-Sponsoring: “Im Bereich Sponsoring werden für kleinere Vereine sicher Einschnitte kommen…”, so Hoeneß. Wenn ich mich recht erinnere, zierte das OPEL-Logo einst die Brust der stolzen Bayern-Kicker. Wie viel ist Sponsoring im Fußballgeschäft denn tatsächlich wert? Kein Unternehmen sponsort Proficlubs aus philanthropischem Ehrgeiz. Mehr Produkte verkaufen, Brand-Awareness, VIP-Karten und -Lounges etc. – das sind die Motivationen. Opel geht’s gar nicht gut, wie wir alle wissen. Sponsoring ist demnach völlig überbewertet! Opel hat es jedenfalls nicht gerettet. Sie sind sogar vor dem Crash frühzeitig aus dem Sportsponsoring ausgestiegen.

TV-Gelder: Hoeneß glaubt zwar immer noch, dass Pay-TV in Deutschland eine Zukunft hat, aber gleichzeitig auch von einer Bundesliga-Zwangsabgabe von zwei Euro im Monat aller deutscher Haushalte. 900 Mio. Euro würden so zusammenkommen. Dadurch könnten, nach Marta Milchmädchen, die öffentlich-rechtlichen Sender Fußball gratis an alle bundesdeutschen Haushalte ausliefern. Natürlich auch Arminia Bielefeld gegen Cottbus in der Primetime. Zudem sei der deutsche Profifußball dann einigermaßen konkurrenzfähig zur englischen und italienischen Topliga, die – umgerechnet auf einzelne Topvereine – heute schon drei- bis viermal mehr Geld aus der TV-Vermarktung der Ligaspiele in der Tasche hätten.

Einschaltquote ist nicht gleich Volksinteresse. Deshalb ein Gegenvorschlag: Wieso nicht gleich die Premiere-Abos in “Aldi, Lidl, Plus, Netto, Tengelmann, Rewe” (die Hoeneß-Würstchen-Einzelhändler) für 8 Euro im Monat verkaufen. Derzeit sind es 19,99 Euro/Monat – dieses Zuvorkommen wäre angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit sehr sozial und sogar noch unter dem Preis der billigsten Eintrittskarte in die Allianz-Arena. Qualität zu günstigen Preisen! Das ist doch auch Hoeneß’ würstchen-sozialistisches Argument. Nach Marta Milchmädchen würden sich so mit 25 % der deutschen Haushalte als Premiere-Neukunden annähernd 900 Mio. Euro an TV-Einnahmen zugunsten der Clubs erzielen lassen. Vorausgesetzt natürlich der Intermediär Premiere alias Murdoch verdient nichts daran.

Ach ja: Als begleitende, wirtschaftspsychologisch sicherlich sehr wertvolle Maßnahme schlage ich eine Abwrackprämie für derzeitige Premiere-Bundesliga-Abo-Kunden vor. Das könnte zudem den Abverkauf von LCD-Bildschirmen im Discounter ankurbeln. Den staatlich finanzierten Premiere-Ausstieg würde ich großzügig auf 150 Euro pro Abo-Kündigung festlegen. Das ist rein rechnerisch gut die Hälfte der regulären jährlichen Abo-Gebühr.

Aber Mist: Was machen wir, wenn die Volksmusik-Liebhaber auch einen Solidaritätsbeitrag zur Rettung dieser gewichtigen Musiksparte einfordern. Ich sehe ihn schon auf uns zukommen, den “Kastelruther-Soli” …

Weitere Forderungen aus Absurdistan bitte ins Kommentarfeld. Vielleicht retten wir damit tatsächlich den armen, von der Wirtschaftskrise gar so schlimm gebeutelten, aber sicherlich völlig unschuldigen deutschen Spitzenfußball.

Außerdem habe ich eine Umfrage eingerichtet: Wie viel ist Dir Live-Fußball (1. und 2. Bundesliga) “gratis” und komplett im frei empfangbaren öffentlich-rechtlichen Fernsehen wert? Direkt zu unserer Umfrage des Monats » Umfrage beendet. Veröffentlichung der Ergebnisse bald hier im Blog.

von Andreas Haderlein

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