Wie im Wettbüro – medienhistorische Screenshots

Es war der Anfang vom Ende. Das Hinspiel, das der SV Werder Bremen gegen die Glasgow Rangers mit 2:0 verloren hatte (und im heutigen Rückspiel auch nicht mehr gerade biegen konnte), war aber dennoch ein medienhistorisch denkwürdiger Abend.

Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs sicherte sich der Gast die Übertragungsrechte am Auswärtsspiel für das vereinseigene Club-TV, das auschließlich über das Internet zu “empfangen” ist. Denn ab UEFA-Cup-Achtelfinale obliegt die TV-Vermarktung der Heimmannschaft, in diesem Falle den Rangers.

Werder mit Weitsicht und Verantwortung für seine Fans

In Kooperation mit der IPTV-Plattform Maxdome, auf der Werder.TV und Schalke.TV implementert sind und die für einen Werder-Paketpreis u.a. Spielszenen aus der Bundesliga zeigt, konnten so rund 10.000 Werder-Fans (Serverkapazität!) das UEFA-Cup-Spiel in Schottland verfolgen. Bremens Mediendirektor Tino Polster betonte nachdrücklich, dass Werder hier für seine Fans in Vorlage ging. Finanziell (siehe Screenshot der Pause) lohnte das Unterfangen nämlich keineswegs. Auf die Gretchenfrage, ob Internet das Fernsehen substanziell ersetzen könnte, sagte er in einem Interview vor dem Spiel aber auch: “Wir möchten unseren Sponsoren ein Umfeld bieten und grundsätzlich im Internet aufgestellt sein, um an Entwicklungen etwa im Werbemarkt teilnehmen zu können.”

Es geht doch: Der Abschied vom Ruckel-TV

Es wird also Bewegung in die Entwicklung von exklusiven Live-Übertragungen im Internet kommen. Im Übrigen waren an jenem medienhistorischen Tag alle Partien des UEFA-Cups mt deutscher Beteiligung im Netz zu sehen. Die Bayern im ProSieben-Stream, der HSV gegen Leverkusen parallel zum Werder-Spiel über die ZDF Mediathek. Und das Beste: Beide Begegnungen liefen ruckelfrei auf meinem 7 Jahre alten Aldi-Rechner. Maxdome über Windows Media Player und die ZDF Mediathek über QuickTime. Nur für eine Tonspur musste man sich entscheiden.

Spielverderber aus der etablierten Presse
(Achtung, Premiere-Verantwortliche! Das sind keine Hacker!)

Dass ausgerechnet die Frankfurter Rundschau in ihrem Online-Portal am Tag vor der Ausstrahlung auf Maxdome darauf hinweisen musste, wie man auch ohne kostenpflichtiges Werder.TV-Abo oder Einzelabruf für 5.99 € die Partie im Netz gucken kann (natürlich über halblegale P2P-Programme), ist medienhistorisch mindestens genauso bemerkenswert.

Ich habe brav bezahlt und tue es wieder. Damit ist die Lanze für Live-Kicks im deutschsprachigen Netz und für experimentierfreudige Clubs der Bundesliga gebrochen! Danke Werder! Jetzt hätte nur das Weiterkommen gefehlt.

Hier einige Impressionen:
Alles im Blick: Werder.TV und ZDF Mediathek mit Fußball live
Alles im Blick: Werder.TV und ZDF Mediathek mit Live-Fußball

Fernsehgefühle in Zeiten von YouTube
Fernsehgefühle in Zeiten von YouTube

Die schönste Werbepause im Fußball-Geschäft
Die schönste Werbepause im Fußball-Geschäft

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von Andreas Haderlein

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