Premiere haut auf den Tisch – einige Überlegungen dazu

Premiere-Vorstand Carsten Schmidt wird in einem Dossier der Financial Times Deutschland mit deutlichen Worten zitiert. Unterm Strich: Leo Kirch, seine Agentur Sirius und die DFL sollen bitte sehr die Finger von fertig produzierten Bewegtbildinhalten lassen. Die “Hoheit über die Berichterstattung” sieht Schmidt auf Seiten von Premiere und schreibt gleich mal einen Brief ans Bundeskartellamt.

Das ist sicherlich redlich und im Sinne des Münchner Bezahlsenders, um den unterdessen die Gerüchte über eine Übernahme durch Vivendi nicht abebben wollen.

Ab Februar geht der Poker um die Übertragungsrechte los. RTL und SAT 1 werden auch kräftig mitmischen und spekulieren schon auf ein Livespiel am Samstag. Aber am Ende, so viel steht schon jetzt fest, könnten die deutschen Zuschauer mächtig in die Röhre glotzen. Premiere will die öffentlich-rechtliche Sportschau am liebsten gleich auf den Sonntag verschieben. Schmidt wörtlich: “Unsere klare Präferenz ist … eine stärkere Exklusivität an den Samstagen. Es ist überfällig, dass wir in Deutschland an das europäische Niveau aufschließen, damit sich die Bundesliga weiter positiv entwickeln kann.”

Positiv entwickeln? Diese sonderbare Premiere-Korrelation zwischen Steigerung der Attraktivität des deutschen Fußballs und Übertragungsrechte resp. TV-Gelder weckt in mir ein gewisses Unbehagen. Vielleicht gehen dann ja noch mehr Fans ins Stadion, weil die Buliga so was von attraktiv ist und sich unglaublich positiv entwickelt hat, und gucken dafür weniger Premiere. Die 1. Bundesliga ist europaweit nämlich schon führend, was Zuschaueranzahlen anbelangt. In der Saison 2002/03 gingen durchschnittlich um die 33.000 Leute samstags ins Stadion. 2005/06 waren es knapp 40.000. Zum Vergleich: In England waren es 2005/06 weit unter 35000. Erst 2006/07 zeigte auf der Insel der Trend nach einer 4-Jahres-Talfahrt wieder nach oben.

Von der italienischen, französischen, österreichischen oder portugiesischen Liga brauchen wir erst gar nicht zu reden, die kriegen einfach nicht mehr Leute ins Stadiom bzw. haben sie schon verkrault – aus verschiedensten Gründen. Vielleicht ja, weil sich der Fußball nicht “positiv” genug “entwickelt” hat.

Mer waases net, mer mungelts nur … sagt der gemeine Hesse.

von Fussballgucken.info

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